Patienten dürfen kaum noch auf Hausbesuche hoffen

Die Notaufnahmen in den Krankenhäusern klagen darüber, dass viele Patienten dorthin kommen, die eigentlich von einem niedergelassenen Arzt betreut werden könnten. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass immer weniger Ärzte Hausbesuche machen.
Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Hausbesuche der Ärzte um rund 17 Prozent reduziert. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage hervor, welche von den Linken im Mai 2018 als Bundesdrucksache 19/2158 eingereicht wurde. Die meisten Ärzte verweigern Hausbesuche, weil sie Honorarrückforderungen in immenser Höhe befürchten.

Warum kommt es zu Rückforderungen für Hausbesuchshonorare?

Die Antwort auf diese Frage geht aus einem Statement von Dr. Achim Kessler hervor, der bei den Linken für das Ressort Gesundheit zuständig ist. Er gab in einem Interview mit der Nachrichtenredaktion der ARD an, dass vor allem die Höhe der möglichen Rückforderungen viele Hausärzte davon abhält, Hausbesuche in größerem Umfang zu machen. Bei den Vergütungen werden nach der aktuellen Praxis Durchschnittswerte als Vergleichsbasis verwendet. Ermittelt werden diese Durchschnitte anhand der Hausbesuche aller Hausärzte in einem Bundesland.

Dort wirkt sich negativ aus, dass vor allem in Großstädten so gut wie keine Hausbesuche gemacht werden. Das hat ganz praktische Gründe. Dort die Deckung mit Hausarztpraxen dichter als in ländlichen Regionen, sodass die Hausarztpraxen auch von schwerer erkrankten Patienten in den meisten Fällen noch aufgesucht werden können. In ländlichen Regionen gibt es weniger Praxen und auch die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV ist wesentlich schlechter. Ein Landarzt hat allein schon deshalb einen höheren Anteil der Hausbesuche. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben die Altersstruktur der Patienten sowie die Zahl der von einem Hausarzt versorgten Patienten. Die Pauschalisierung über landesweite Durchschnittswerte hat zur Folge, dass vor allem Hausärzte auf dem Land und mit überdurchschnittlich hohen Patientenzahlen für immer mehr Leistungen keine Vergütung mehr bekommen.

Kassenärztliche Vereinigungen bestätigten diesen Trend

Ein Blick auf die von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin genannten Zahlen zeigt einen weiteren Grund auf, aus welchem viele Ärzte Hausbesuche verweigern. Der Hausbesuch bei einem pflichtversicherten Patienten wird gerade einmal mit 22 Euro vergütet. Die KV Berlin räumt in ihrer offiziellen Statistik ein, dass die Ärzte in Berlin mittlerweile rund 15 Prozent aller Leistungen gratis erbringen. Als Ursache wird die bereits seit zwei Jahrzehnten praktizierte Budgetierung angegeben. Gerade einmal rund 92 Euro stehen einem Hausarzt pro Quartal für die Grundversorgung eines Patienten zur Verfügung. Auch bei der Verordnung von Arzneimitteln bestehen durch die Budgetierung strenge Grenzen. Für Patienten bis zu 49 Jahren darf ein Arzt einen Durchschnittswert von etwa 48 Euro pro Quartal nicht überschreiten. Danach steigt der Grenzwert auf 82 Euro und erhöht sich bei Patienten ab 65 Jahren auf 109 Euro pro Quartal.

Quelle: Bundestag, ARD, KV Berlin