Über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel 2025/2026 wurden erneut sogenannte
Erdbebenserien am Egergraben werden engmaschig überwacht
Derzeit sorgt das Projekt ELISE dafür, dass massenhaft Daten aus der Region erfasst und in Echtzeit ausgewertet werden können. Das Kürzel ELISE steht für „Eger Large Seismic Experiment“. Die Leitung des Forschungsprojekts liegt beim Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Das hat den Vorteil, dass Erkenntnisse einfließen können, die bereits bei einem ähnlichen Projekt rund um den Laacher See gesammelt wurden. In der Eifel kamen die gleichen Messtechnologien zum Einsatz, wie sie jetzt auch am Egergraben verwendet werden. Dabei handelt es sich um rund 300 Seismographen sowie ein mehr als 60 Kilometer langes Glasfaserkabel. Diese Kombination kann auch minimalste Erschütterungen erfassen. Das Forschungsprojekt ist für ein Jahr gesichert und kann bei Bedarf auf 18 Monate verlängert werden.
Warum ist der Egergraben als Forschungsobjekt so interessant?
Die im Norden von Tschechien ziemlich parallel zum Erzgebirge angeordnete Formation wird von den Geologen als „inaktiver Grabenbruch“ eingestuft. Der Egergraben ist im Zusammenhang mit der Entstehung der Alpen gebildet worden. Doch so inaktiv, wie die Einstufung es nahelegt, ist die Region nicht. Immer wieder kommt es dort zu Schwarmbeben, wie Seismologen ganze Serien von Erdbeben mit verhältnismäßig geringen Intensitäten bezeichnen. Der südöstliche Bereich des Egergrabens (Region Chebbecken) wurde beispielsweise in den ersten Monaten des Jahres 2025, rund um den Jahreswechsel 2023/2024, im späten Frühjahr 2918 sowie im zweiten und dritten Quartal 2014 von größeren Erdbebenserien erschüttert.
Ursachen und Einschätzung der Gefahrenlage am Egergraben
Die Ursachen sind nicht hauptsächlich Verschiebungen von Kontinentalplatten, sondern es handelt sich nach den Einschätzungen führender Wissenschaftler um die Überreste vulkanischer Aktivitäten. Bisherige Messungen haben Magmakammern ausgemacht, von denen verschiedene Fluide aufsteigen. Die Beweise dafür liefern beispielsweise die Thermalquellen in der Region sowie Stellen, an denen Kohlendioxid aus dem Boden austritt (Mofetten). Zwar schwanken sowohl die Intensität und Häufigkeit der Erdbeben als auch einige andere Parameter für vulkanische Aktivitäten, aber die Wissenschaftler sind sich einig, dass es dort nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht zu einem Vulkanausbruch kommen wird. Die im Rahmen des ELISE-Forschungsprojekt installierte Messtechnik soll zu einer Verbesserung der Verlässlichkeit solcher Einschätzungen beitragen.
Quelle: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Seismologie in Mitteldeutschland, Helmholtz-Zentrum für Geoforschung

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