Flughafen Gatwick muss Betrieb einstellen

Der Flughafen Gatwick musste den Betrieb komplett einstellen, weil seit Stunden schon Unbekannte Drohnen über dem Londoner Airport kreisen lassen. Jetzt hat die Polizei das Militär zur Unterstützung angefordert. Aus Regierungskreisen heißt es bereits, es handele sich um einen „ernsten Zwischenfall“.

Bereits seit vier Uhr heute Morgen steht der Londoner Flughafen Gatwick still. Besonders dramatisch ist dies, da es sich um den zweitgrößten Flughafen Großbritanniens handelt. Grund für die Einstellung des Betriebs: Unbekannte lassen über dem Airport Drohnen kreisen und das kann zur Gefahr sowohl für startende, als auch landende Flugzeuge werden. Gut 100.000 Passagiere sind von der Einstellung des Betriebs betroffen. Wie die Polizei mitteilte, gibt es bisher aber keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund.

Drohnenpiloten am Londoner Flughafen Gatwick noch nicht bekannt

Aktuell hat sich die Polizei dazu entschlossen, Scharfschützen sowie einen Helikopter einzusetzen, um damit die Drohnenpiloten ausfindig zu machen. Ebenfalls hat die Polizei der Region Sussex beim Verteidigungsministerium Unterstützung durch das Militär angefordert. Wie ein Ministeriumssprecher bestätigte, wolle man bewaffnete Kräfte schicken. Auch in der Regierung berät man laut einem Sprecher von Premierministerin Theresa May bereits, wie man mit dem „ernsten Zwischenfall“ umgehen und diesen beenden könnte.

Die BBC hatte bereits am Nachmittag mitgeteilt, dass die Flüge bis mindestens 19 Uhr ausfallen werden. Allerdings ist mit Störungen auch noch am morgigen Freitag zu rechnen. Insgesamt waren für den heutigen Donnerstag 760 Flüge geplant.

Der Flughafen-Chef Chris Woodroofe bezeichnete die Drohnen als professionell. Er sprach von einem „gezielten Versuch“, den Flugverkehr zu unterbrechen. Das Problem ist allerdings: Je größer die Drohnen, desto größer ist auch ihre Reichweite. Und genau das macht es laut Justin Burtenshaw, Chef der Flughafenpolizei, schwierig, die Piloten ausfindig zu machen.

Auch Premierministerin Theresa May äußerte sich zu dem Vorfall. Sie bezeichnete es als „unverantwortlich und komplett inakzeptabel“, dass jemand Drohnen in der Nähe eines Flughafens fliegen lässt. Ihr Mitgefühl gilt den betroffenen Passagieren.

Flughafen Gatwick – ein Airport der Superlative

Innerhalb der EU ist der Flughafen Gatwick im Ranking der größten Flughäfen auf Platz sieben gelistet. Über 45 Millionen Passagiere wurden von hier aus alleine im letzten Jahr befördert. Gleichzeitig ist er der zweitgrößte Airport in Großbritannien nach dem Flughafen London-Heathrow.

Bereits am Mittwochabend hatte der Flughafen alle Starts und Landungen ausgesetzt, nachdem man eine Drohne über dem Flugfeld gesichtet hatte. Über mehrere Stunden saßen die Passagiere in ihren eigentlich startklaren Maschinen fest. Ankommende Flieger mussten teilweise Hunderte Kilometer weit umgeleitet werden.

Ab den frühen Morgenstunden hatte man den Betrieb zumindest kurzzeitig wieder aufgenommen, musste ihn dann aber wieder stoppen, nachdem am Donnerstagvormittag erneut eine Drohne entdeckt wurde.

Die Drohnenpiloten lassen sich auch von dem Ende Juli eingeführten Straftatbestand nicht abschrecken, wenn sie Drohnen in der Nähe eines Flughafens steuern. Sie riskieren bis zu fünf Jahre Gefängnis, wenn „unbemannte Fluggeräte“ sich einem Flughafengelände auf weniger als einen Kilometer nähern.

In Deutschland gibt es ähnliche Regelungen, so dass Drohnenflüge über einem Flughafen als „gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr“ geahndet werden können. Bis November 2018 wurden nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) 152 Behinderungen durch Drohnen gemeldet. Im letzten Jahr lag die Zahl noch bei 88.

Aus diesem Grund haben deutsche Luftverkehrsverbände bereits schärfere Regeln für den Betrieb von Drohnen in Deutschland gefordert. So müsste es eine Registrierungspflicht für Drohnen geben, „damit Verantwortung und Haftung klar zugewiesen werden können“, so Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Allerdings müsse dies auf europäischer Ebene geregelt werden. Die aktuell vorgeschriebenen Plaketten an den Drohnen alleine reichen nicht aus.

Zusätzlich verlangt der Flughafenverband ADV, dass man Drohnen mit einem System versieht, mit dem sie elektronisch sichtbar gemacht werden, genau wie Flugzeuge.

Quelle: Reuters