Braut sich im Beaufort-Wirbel eine Klimakatastrophe zusammen?

Der heiße Sommer 2018 und die heftigen Wirbelstürme der jüngsten Zeit haben dazu geführt, dass das globale Klima derzeit noch intensiver als sonst beobachtet wird. Besonders die Vorgänge im Beaufort-Wirbel bewirken Sorgenfalten bei den Wissenschaftlern.

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass sich die Wettertrends in Europa in einem bestimmten Turnus verändern. Der Auslöser dafür ist der sogenannte Beaufort-Wirbel in der Beaufort-See. Er beschert Europa alle fünf bis sieben Jahre einen oder mehrere besonders strenge und schneereiche Winter. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Europa nach der Hitze- und Dürreperiode im Sommer 2018 einen solchen Winter bekommt.

Welche Gefahren gehen vom Beaufort-Wirbel aus?

Beim Beaufort-Wirbel handelt es sich um eine Region mit einer Schichtung aus kaltem und salzarmem Wasser an der Oberfläche und warmem sowie stärker salzhaltigem Wasser in größeren Tiefen. Das salzarme Wasser an der Oberfläche bildet eine Blase und fließt (wenn die Blase zu groß wird) in den nördlichen Atlantik ab. Genau das passiert üblicherweise alle fünf bis sieben Jahre. Allerdings ist eine dieser zyklischen Änderungen ausgefallen. Im Beaufort-Wirbel hat sich über 15 Jahre hinweg eine überdurchschnittlich große Menge kaltes und salzarmes Wasser angesammelt. Gleichzeitig hat sich die Menge der in den tieferen Wasserschichten gesammelten Wärmemenge verdoppelt. Das erhöht das Volumen der „Warmblase“ und steigert die Wahrscheinlichkeit, dass sich die kalte und salzarme „Wasserbeule“ in den Nordatlantik entlädt. Die „Warmwasserbeule“ hat Hochrechnungen zufolge mittlerweile ein Volumen von rund 23.000 Kubikkilometern.

Wie kann der Beaufort-Wirbel das Klima in Europa beeinflussen?

Wenn das kalte Oberflächenwasser aus der Beaufort-See in den Nordatlantik abfließt, hat das deutliche Auswirkungen auf die „europäische Fernheizung“ namens Golfstrom. Seine warme Strömung wird dann von den leichten (weil salzarmen) und kalten Wassermassen überlagert. Gleichzeitig mischt sich das salzarme Wasser mit den Fluten des Atlantiks, die vom Golfstrom in Bewegung gesetzt werden. Seine Fließgeschwindigkeit ist direkt vom Salzgehalt des Atlantikwassers abhängig. Klimaforscher befürchten schon seit einiger Zeit, dass eine weitere Reduzierung des Salzgehalts im Nordatlantik den Golfstrom komplett zum Stillstand bringen könnten. Eine signifikante Verlangsamung konnte durch forschende Wissenschaftler bereits nachgewiesen werden.

Im günstigsten Fall bringt eine Entladung der kalten Blase am Beaufort-Wirbel Europa mehrere strenge Winter in Folge. Der ungünstigste Fall wäre ein längerfristiger oder gar dauerhafter Stillstand des Golfstroms. Er würde Europa eine kleine Eiszeit bescheren. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren war der Beaufort-Wirbel für eine Kaltphase in Europa verantwortlich. Aktuell ist das Volumen der Blase aus salzarmem und kaltem Wasser jedoch deutlich größer. Deshalb sind sich die Klimaforscher nicht ganz einig, was die genauen Folgen einer Entladung der kalten Beaufort-Blase sein werden. Europa könnte vom Beaufort-Wirbel trotz der globalen Erwärmung eine temporär sehr spürbare Abkühlung drohen.

Quelle: sciencemag, yale.edu