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Deutschland: Zahl der Entbindungsstationen drastisch gesunken

Examining baby

Immer weniger Kliniken in Deutschland verfügen noch über Entbindungsstationen. Sind deshalb Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der medizinischen Versorgung zu befürchten?

Ist die Entwicklung der Anzahl der Kliniken mit Entbindungsstationen im Vergleich zum Trend bei der Geburtenzahl in Deutschland bedenklich? Diese Frage stellt sich angesichts der neuesten Daten, die vom Statistischen Bundesamt vorgelegt wurden. Auswirkungen sind bereits zu spüren. Sie zeigen sich vor allem an der Zeit, die bis zum Erreichen der nächsten Klinik mit Entbindungsstation benötigt wird. Dabei gibt es drastische Unterschiede, die vom Wohnort abhängig sind. In den Städten können rund 95,1 Prozent der Bewohnerinnen im gebärfähigen Alter binnen 15 Minuten mit dem Auto in einer solchen Klinik sein. In kleineren und insbesondere in ländlichen Kommunen trifft das aktuell lediglich in rund 29,9 Prozent der Fälle zu.

Wie viele Entbindungskliniken gibt es in Deutschland noch?

Zum Jahresende 2024 wurden deutschlandweit noch 578 Krankenhäuser mit Geburtshilfe gezählt. Wie deutlich der Schwund ist, belegt ein Blick auf das Jahr 1991. Damals wies die Statistik noch 1186 Kliniken mit Entbindungsstation aus. Das bedeutet eine Minimierung um 51,3 Prozent. Im Vergleichszeitrahmen war auch die Zahl der Geburten rückläufig. 1991 gab es deutschlandweit 830.019 Lebendgeburten. Diese Zahl lag im Jahr 2024 offiziellen Angaben zufolge um 18,4 Prozent niedriger. Eine alleinige Betrachtung dieser beiden Parameter wäre ein Anlass zu erheblicher Sorge. Doch es kommt ein anderer Fakt hinzu. Wer an die Zeit kurz nach der deutschen Wiedervereinigung zurückdenkt, dürfte sich daran erinnern, dass die Mütter nach der Geburt deutlich länger als heute in der Klinik bleiben mussten. Heute verlassen sie die Klinik bei einer natürlichen Geburt ohne Komplikationen nach ein bis zwei Tagen, wenn sie nicht sogar schon am gleichen Tag nach Hause dürfen. Das relativiert auch das im gleichen Zeitraum verzeichnete Minus von 63,7 Prozent bei der Zahl der für die Entbindungsstationen und andere Stationen der Frauenheilkunde zur Verfügung stehenden Krankenhausbetten.

Mehrlingsgeburten werden immer seltener

Der Spitzenwert bei Mehrlingsgeburten an allen Geburten wurde mit 3,77 Prozent in Deutschland im Jahr 2017 registriert. Seither ist dieser Anteil gesunken und lag 2024 bei rund 3,1 Prozent. Zwillinge machen mit 97,7 Prozent den Schwerpunkt der Mehrlingsgeburten aus. Zeitgleich erblickten in der Bundesrepublik 453 Kinder aus Drillingsschwangerschaften das Licht der Welt. Die Trendwende bei der Zahl der Mehrlingsgeburten ist den Entwicklungen in der Reproduktionsmedizin geschuldet. Bei künstlichen Befruchtungen wurden über Jahrzehnte hinweg mehrere Embryonen eingesetzt. Diese Praxis ist seit einigen Jahren nicht mehr üblich.

Quelle: Statistisches Bundesamt

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