Angststörungen am Morgen behandeln

Angststörungen sind weit verbreitet. Eine von ihnen ist die Angst vor Spinnen. In Deutschland sollen gut 30 Prozent der Frauen und jeder fünfte Mann eine  Spinnenphobie entwickeln. Zumindest aber finden viele die kleinen Tierchen eklig. Selbst Insektenkundler gaben an, dass viele die Spinnen als unangenehm empfinden, wie kürzlich ein Forscher ermittelte.

Gerade die extreme Angst vor Spinnen, bei der man sich oft nicht einmal mit diesen Tieren in einem Raum aufhalten kann, sollte aber behandelt werden. Und zu genau dieser Behandlung haben jetzt Forscherinnen an der Universität des Saarlandes eine Studie durchgeführt.

So lief die Therapie gegen die Spinnenphobie ab

Insgesamt wurden 60 Patienten behandelt, die in zwei Gruppen unterteilt wurden. 30 Patienten wurden morgens von acht bis elf Uhr in einer dreistündigen Therapiesitzung behandelt, die anderen 30 am Abend zwischen 18 und 21 Uhr. Die Patienten mussten zudem Speichelproben abgeben, um ihren Cortisolspiegel zu messen. Cortisol gilt als körpereigenes Hormon, das vor allem in Stresssituationen vermehrt ausgeschüttet wird. Gleichzeitig soll es aber auch helfen, den Lern- und Gedächtnisprozess zu unterstützen.

Nach einer Woche und noch einmal nach drei Monaten wurde überprüft, was die Therapiesitzung den Patienten gebracht hatte. Die Probanden sollten dafür einen Fragebogen ausfüllen und versuchen, einen Raum zu betreten, in dem sich ein Terrarium mit einer großen Kellerspinne befand. Johanna Lass-Hennemann, eine der beiden Autorinnen der Studie, erklärte, dass dieses Betreten des Raums vielen Patienten vor der Therapie nicht möglich gewesen sei. Nach der Therapie haben es aber viele der Probanden geschafft, einige konnten sogar das Terrarium öffnen und die Spinne auf die Hand nehmen.

Diese Wirkungen auf die Spinnenphobie zeigten sich

In beiden Gruppen wurden deutliche Fortschritte im Kampf gegen die Angst vor Spinnen erreicht. Allerdings war der Effekt bei den am Morgen behandelten Patienten wesentlich höher. Die Forscherinnen führen dies auf den erhöhten Cortisolspiegel am Morgen zurück. Bereits 2011 hatten Forscher berichtet, dass die zusätzliche Gabe des Hormons bei der Behandlung von Angststörungen helfen könne. Sie hatten damals Patienten mit Höhenangst vor der Behandlung Cortisol verabreicht.

Die Forscherinnen wollen jetzt prüfen, ob sich die Erkenntnisse auch auf die Behandlung anderer Angststörungen auswirken können. Insbesondere die sehr komplexen Angststörungen, wie sie etwa bei der sozialen Phobie oder bei Panikstörungen auftreten, stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses.